Strafzinsen: jetzt umdenken?

Nun hat es jeder kapiert: Strafzinsen auf Einlagen bei Banken sind zur Normalität geworden. Bereits ab dem ersten Cent verlangen Banken nun bis zu 1% Strafzinsen. Kunden halten mit Argusaugen Ausschau nach dem Zinsanbieter mit dem geringsten Zinssatz. Große Unterschiede bei den Banken gibt es allerdings nicht. Die Bank, die einen günstigeren Strafzins als andere anbietet, subventioniert diesen mit anderweitig versteckten Kosten. Früher oder später müssen aber auch diese Anbieter ihre Preispolitik offen legen.

 

Die Begründung für diese Art der Zinspolitik ist, dass die Europäische Zentralbank, also die Bank der Banken, die die geldpolitischen Strömungen innerhalb der Euro-Zone steuert, den Banken eine Investmentkur verordnet hat. Das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank zur Förderung von Wirtschaftswachstum zu Investitionen animiert hat. Leider sind die Banken dieser Animation nicht ansatzweise nachgekommen.  Somit hat die Zentralbank zu dieser drastischen Maßnahme gegriffen. Also die Bazooka ausgepackt. (Erklärung Bazooka: Die Bazooka gilt als erste raketenangetriebene Infanteriewaffe und zudem als eine der ersten Hohlladungswaffen). Man könnte auch sagen, man hat hier mit der Schrotflinte auf Spatzen geschossen.

 

Ob damit eine Kehrtwende eingeleitet wird ist mehr als fraglich. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Während die Vermögenden entrüstet sind über die Art der Enteignung durch den Staat, wehren sich die Ärmeren über nicht weit genug gehende Maßnahmen. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Fakten zählen.

 

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland belief sich im zweiten Quartal 2019 auf rund 6.237 Milliarden Euro. Damit ist es gegenüber dem ersten Quartal um 1,54% gestiegen. Gegenüber dem 2. Quartal 2018 ist das Geldvermögen um 4,58% gestiegen. Mehr als ein Drittel ihres Geldvermögens halten private Haushalte in Bargeld und Sichteinlagen. Trotz Strafzinssituation haben die Menschen in Deutschland mehr auf der hohen Kante als je zuvor. Von risikoreichen Investitionen halten sich aber die allermeisten fern.

 

Was ist den Menschen zu raten? Vogel Strauß-Politik, abwarten & Tee trinken? Grundsätzlich sollte jeder Investor über Risiko nachdenken. Aber was heißt das eigentlich: ein Risiko eingehen? Ich würde das so beschreiben: Risiko bedeutet, dass mein Investment keine garantierte Rendite hat und damit Schwankungen unterliegt. Die Rendite bestimmt jeder Investor selbst. Je mehr Risiko, desto mehr Rendite. Kann ich mir ein Risiko in Höhe von 10% erlauben, kann ich auch eine Rendite in Höhe von 10% erwarten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fangen Sie klein an zu investieren und steigern Sie nach und nach Ihr Investment. Sie werden es nicht bereuen. You’ve got to risk it to get the biscuit!

 

Massimo di Santo